Döllnitzbahn

SCHMALSPURBAHN | 750mm-spurige sächsische Schmalspurbahn zwischen Oschatz, Mügeln und Glossen


Döllnitzbahn, Erzgebirge

Seit 1885 verkehrt der "Wilde Robert" durch die Lommatzscher Pflege und das Oschatzer Hügelland. Einst konnte man von Neichen über Mügeln bis nach Frauenstein vom eher landwirtschaftlich geprägten Gebiet um Oschatz bis ins Erzgebirge mit einer Schmalspurbahn auf 750mm reisen. Zwar nur mit mehrmaligem Umsteigen und auch nicht an einem Tag, aber es war möglich. Heute ist das "Wilsdruffer Netz" fast vollständig verschwunden. Dank der Privatisierung im Jahre 1993 hat ein Teil des Mügelner Netzes bis heute überlebt.

Die Döllnitzbahn zwischen Oschatz und Glossen ist heute das letzte verbliebene Teilstück des Mügelner Netzes. Im Gegensatz zu den meisten anderen sächsischen Schmalspurbahnen fährt die Döllnitzbahn überwiegend durch flaches Gelände. Die Schmalspurbahnen wurden hier nicht angelegt, weil es in engen Bögen Berge zu bezwingen galt, sondern vielmehr weil Bau und Betrieb der Schmalspurbahn damals günstiger waren als der einer Normalspurstrecke.

Döllnitzbahn

Streckenbeschreibung

Oschatz - Naundorf - Mügeln

Die Fahrt auf der 1885 eröffneten Strecke beginnt im Bahnhof Oschatz. Hier besteht Übergang zum Netz der Deutschen Bahn und das sowohl für Reisende als auch für Güter, wenngleich der Güterverkehr seit einigen Jahren ruht. Stündlich fährt hier der RegionalExpress nach Leipzig und Dresden. Einst war der Bahnhof Oschatz Ausgangspunkt einer weiteren Schmalspurstrecke von Oschatz nach Strehla.

Nach der Ausfahrt befährt der Zug einen noch weitgehend erhaltenenes Dreischienengleis, die Einfädelung des Normalspurgleises an der Ausfahrt des Bahnhofes Oschatz, sowie die Gleisanschlüsse im Stadtgebiet von Oschatz sind jedoch schon abgebaut. Nach dem Haltepunkt Oschatz Körnerstraße überquert die Bahn den namensgebenden Fluss, die Döllnitz. Anschließend führt sie entlang des Flusses zum Bahnhof Oschatz Süd. Hier befindet sich das Gelände der Landesgartenschau von 2006.

Döllnitzbahn Brücke Oschatz Döllnitz
Überquerung der Döllnitz in Oschatz
Döllnitzbahn Dampflok IV K Wassernehmen Mügeln
Wassernehmen beim Zwischenstopp in Mügeln

Die Strecke führt weiter über Kleinforst-Rosensee, Altoschatz-Rosenthal und Thalheim entlang der Döllnitz. Bis zum nächsten Bahnhof Naundorf hat der Zug nun eine Steigung zu überwinden, dann geht es weiter über flaches Land entlang von Feldern und der Landstraße nach Mügeln. Hier befindet sich der Betriebsmittelpunkt der Döllnitzbahn. Ausgedehnte Gleisanlagen lassen noch die Betriebsamkeit erahnen die hier einst herschte. In Höhe Heizhauses, welches unser Zug bei der Einfahrt passiert, verließ bis 1968 die Strecke nach Döbeln den Bahnhof. Den Halt auf dem Bahnhof Mügeln nutzen die Dampfzüge in der Regel zum Wassernehmen, hierfür muss die Lok jedoch vom Zug abgekuppelt werden.

Mügeln - Nebitzschen - Glossen

An der Ausfahrt aus dem Bahnhof Mügeln passiert die Bahn eine zu allen vier Seiten mit mechanischen Vollschranken gesicherte Kreuzung und durchquert anschließend die Stadt Mügeln. Nachdem der Zug Mügeln hinter sich gelassen hat, fährt der Zug wieder durch flaches Gelände, zur einen Seite Wiesen, zur anderen Seite die Landstraße.

Vom Bahnhof Nebitzschen zweigt die Strecke nach Kroptewitz ab. Während der Abschnitt von Kemmlitz bis Kroptewitz längst stillgelegt war, sorgte das Kaolinwerk in Kemmlitz noch bis zum Jahr 2001 für Güterverkehr auf der Döllnitzbahn. Dies dürfte der Hauptgrund sein, warum die Döllnitzbahn heute noch existiert! Zur Zeit ruht allerdings auch auf dem Abschnitt Nebitzschen - Kemmlitz der Verkehr, da eine Brücke saniert werden muss. Der knapp 1,5km lange Abschnitt von Nebitzschen nach Glossen hingegen wurde anlässlich der Landesgartenschau in Oschatz 2006 wiedererrichtet. Im Bahnhof Glossen schließt sich eine Feldbahnschauanlage an. Bemerkenswert ist hier die Sturzbühne zur Umladung von Schüttgütern von der Feldbahn auf die Schmalspurbahn.

Fahrzeugeinsatz

Wagen Döllnitzbahn DR
Wagengarnitur der Döllnitzbahn bei Mügeln

Bis in die 90er Jahre dominierten die Dampfloks der Reihe IV K das Betriebsgeschehen. Größere Dampfloks wurden hier nicht eingesetzt. Nach der Privatisierung wurde der Güterverkehr auf Dieselloks umgestellt, dazu wurden zwei rumänische Dieselloks vom Typ L30h angeschafft. Später gelangten für den Schülerverkehr zwei ehemals österreichische diesel-elektrische Loks zur Döllnitzbahn. Unter den Nummern 199 030 und 199 031 erbringen sie heute den Hauptanteil des Verkehrs. An bestimmten Tagen verkehren außerdem noch die Dampfloks der Reihe IV K von denen noch drei Stück vorhanden sind, davon ist meist eine betriebsfähig. Als Personenwagen kommen heute rekonstruierte Wagen zum Einsatz, Packwagen, Schmalspurgüterwagen und Rollwagen sind in großer Zahl vorhanden, überwiegend jedoch nicht einsatzfähig.

Impressionen vom Dampfbetrieb an einem Brückentag Ende Mai 2014 gibt es im bahnnatur.de | BLOG