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Vom Boofen und Übernachten in der Sächsischen Schweiz

Kansteinboofe, Regenschutz, BoofenIst es nicht der Traum eines jeden Kindes gewesen, mitten in der Wildnis zu übernachten? Genau das ist an einigen gekennzeichneten Stellen in der Sächsischen Schweiz möglich. Das sogenannte “Boofen” ist eine lange Tradition aus den Anfängen der Wanderkultur, als die touristische Infrastruktur in der Sächsischen Schweiz noch nicht ausreichend ausgebaut war. Heute nutzen vor allem Kletterer die kostenlose Möglichkeit in der Nähe der Klettergipfel zu nächtigen.
bahnnatur.de war für Euch in der Kansteinboofe zu Gast und hat das Boofen getestet!

Gegen 18 Uhr sind wir nach kurzem Einkauf in Sebnitz auf einem kleinen Wanderparkplatz an der Neumannmühle im Kirnitzschtal angekommen. Leider sind die Boofen auf keinerlei Wanderkarten eingezeichnet, sodass man entweder ungefähr wissen muss wo sich die Boofen befinden oder man auf digitale Wanderkarten der Sächsischen Schweiz zurückgreifen muss. Nichtsdestotrotz war der Weg durch Markierungen für Kletterzugänge sehr leicht zu finden. Und der erste Eindruck war überwältigend:

Eine hohe Sandsteinmauer überragt einen breiten, langgezogenen Felsvorsprung oberhalb des Großen Zschandes. Die Aussicht reicht vom Teichstein über die Goldsteinaussicht, das Hintere Raubschloss und den Kleinen Winterberg bis zum Bloßstock in den Affensteinen. Die Kansteinboofe bietet Platz für zahlreiche Nachtgeister, wir durften im Laufe des Abends noch erfahren wie viele. An einem Freitag- oder Samstagabend wird man die Boofe wohl kaum für sich alleine haben, diese Nacht waren wir um die 15 Leute. Völlige Stille kehrte dadurch erst gegen 23 Uhr ein, doch wir hatten mit dem Beobachten der Sterne und dem Gaskocher genug zu tun ;-)

Durch die Felsbrocken in der Boofe konnte man den Gaskocher einigermaßen windgeschützt stellen, dennoch sollte man Geduld mitbringen. Für unsere Nudelsuppe aus der Tüte und acht kleine Würstchen haben wir knappe zwei Stunden benötigt. Doch beim Kochen trifft man schon auf das größte Problem beim Boofen: Wasser. Wir hatten für die eine Nacht 3l Trinkwasser und weitere 2l Nutzwasser zum Kochen und Reinigen dabei – und das hat gerade so gereicht. Wer boofen geht, muss also auf etwas Komfort verzichten. Der ausgleichende Vorteil der Kansteinboofe ist jedoch, dass sich das “Zeughaus” nur etwa 15 Gehminuten entfernt befindet – das Personal war trotz Frühstücksunterbrechung freundlich und füllte uns unsere Wasserflaschen kostenlos wieder auf. Top!

Kansteinboofe, Regenschutz, Boofen
Kansteinboofe, Regenschutz, Boofen

Auch die unangenehmen Seiten des Boofens möchte ich kurz ansprechen: am hintersten Ende der Kansteinboofe roch es recht stark nach menschlichen Exkrementen. Papiertaschentücher wurden hier einfach in eine Felsspalte geworfen. Ich frage mich wie das wohl in kleineren Boofen. Zum “großen” Toilettengang – empfinde ich – sollte man das Zeughaus nutzen.
Wir dachten eigentlich, dass wir es in freier Natur mit vielen Mücken zu tun haben und hatten extra ein Mosquitonetz dabei, doch die Plage blieb aus. Morgens waren eher die Wespen ein Problem.

Am folgenden Tag konnten wir dank unserer Lage im Großen Zschand gut die Wanderung entlang der Thorwalder Wände ausprobieren. Unser schweres Wandergepäck hätten wir ohne Sorgen auch an der Kansteinboofe lassen können, doch wir entschieden uns dagegen und durften unser Gepäck freundlicherweise im Zeughaus abstellen.

Alles in allem bin ich vom Boofen total begeistert und kann es nur weiterempfehlen. Die Ruhe, die Luft und das Feeling sind einfach unbeschreiblich! Im Herbst oder Winter (mit Glühwein) kann ich mir das Übernachten in freier Wildnis auch sehr gut vorstellen. Doch bitte achtet beim Boofen auf die Natur!

Zum Abschluss noch ein paar Packtipps:
– guter Schlafsack und Isomatte o. Silbermatte
– kleiner Gaskocher und Kochgeschirr
– Stirnlampe
– Kerzen (bitte nicht tropfen!)
– Plastiktüten für Müll und schmutziges Geschirr
– Taschentücher / Feuchttücher (sparen Wasser)
– Tütensuppen
– Kräuterbutter (ideal als Bratfett, zum Würzen und als Brotaufstrich)
– so viel Wasser wie möglich!
– Ideen für Gesellschaftsspiele ;-)

von Adrian Bauch (2013-09-03)

Dieser Blog vom 03.09.2013 um 09:00 ist einsortiert unter: Sächsische Schweiz